Revolutionär in der Backstube

100. Todestag des Firmengründers Dr. August Oetker

Dr. August Oetker
Dr. August Oetker (Bild: Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG)

Sein ausgeprägter Wille zum Erfolg machte ihn so bedeutend, dass den Namen heute jeder kennt. Dr. August Oetker wurde am 6. Januar 1862 als Sohn einer Bäckerfamilie aus dem niedersächsischen Obernkirchen geboren. Nach einer Apothekerlehre in Hanau studierte Oetker vier Semester Naturwissenschaften in Berlin und promovierte anschließend in Freiburg im Breisgau. 1888 bestand er seine Doktorprüfung.

Vom Apotheker zum „Bäcker“

Im Jahr 1889 heiratete er Caroline Jacobi und zog in den Berliner Stadtteil Charlottenburg. Dr. August Oetker beteiligte sich zunächst an einer Firma, die Einrichtungen für chemische Fabriken und Apotheken herstellte. Ende 1890 erwarb er die Aschoff‘sche Apotheke in Bielefeld. Der 1. Januar 1891 gilt als Unternehmensgründung Oetkers.

Sein Wunsch war es, ein ganz besonderes Produkt zu schaffen. Mit der Apotheke, in der er sich ein Labor einrichtete, was er liebevoll „Geheimbutze“ nannte, legte er den Grundstein für seinen späteren Unternehmenserfolg. Hier entwickelte er verschiedene Arzneimittel und begann mit der intensiven Erforschung des Backpulvers. In der benachbarten Bäckerei unternahm Oetker seine ersten Backversuche.

Das Backen wird revolutioniert

Bäckermeister Eduard Müller erinnerte sich: „Eines Tages war Dr. August Oetker zu meinem Vater in die Backstube gekommen. In seiner Tasche hatte er mehrere Papiertüten mit einem geheimnisvollen Pulver mitgebracht. Was das für ein Pulver war, wurde mir nicht gesagt. Aber ich fand bald heraus, dass es ein neuartiges Triebmittel sein musste, das den Kuchenteig besser auflockern sollte, als es bis dahin mit Hefe oder Hirschhornsalz möglich war.“

Mehrere Wochen experimentierte Dr. Oetker mit den Proben, bis er zufrieden ein Ergebnis lieferte. „Ich kann mich noch gut daran erinnern …“, so Müller weiter „ … mit welcher Zielstrebigkeit er sich um eine optimale Zusammensetzung seines Backpulvers bemühte. Er ließ sich weder durch anfängliche Fehlschläge entmutigen noch durch die Skepsis, mit der mein Vater und auch ich zunächst seine Versuche in unserer Bäckerei verfolgten .“

Erfolgreicher Unternehmer

Im Jahr 1893 gelang ihm der Durchbruch. Mit den eingesetzten Rohstoffen und dem genauen Mischverhältnis erzielte er stets perfekte Backergebnisse. Sein Pulver nannte er Backin, portionierte es in kleinen Tüten und garantierte, dass damit jeder Kuchen gelingt.
In ihm steckte nicht nur ein genialer Tüftler, sondern auch Werbestratege und Betriebswirt.

Aschoff'sche Apotheke in Bielefeld
Er versah Backin mit seinem Namen Dr. August Oetker und bürgte für die Qualität des Produkts – eine der ersten Marken des Landes war geboren. Mit der richtigen Werbung, eigens entwickelten Rezepten, Proben seines Backpulvers und weiteren Produkten, wie Puddingpulver, Aromen und Speisestärke, führte er sein Unternehmen zum Erfolg.

Im Mai 1900 zog er mit seinen Mitarbeitern in einen Fabrikneubau in Bielefeld. In der Lutterstraße befindet sich noch heute der Stammsitz des Familienunternehmens. Schlüsselpositionen in der Firma besetzte er nach Möglichkeit mit Mitgliedern seiner Familie, in denen er loyale und fähige Mitarbeiter sah.  1904 übergab er die Leitung des Labors seinem Bruder Dr. Eduard Oetker.

Nachhaltigkeit als Philosophie

Während er im Deutschen Reich zu einem der erfolgreichsten Unternehmer seiner Zeit avancierte, begann 1908 die Expansion ins Ausland. In Baden bei Wien gründete er die erste ausländische Niederlassung außerhalb des Deutschen Reichs.

Oetker dachte im unternehmerischen Sinn nachhaltig und setzte auf langfristigen Gewinn, statt  kurzfristigen Profit. Damit legte er den Grundstein für die heutige Unternehmensphilosophie des Nahrungsmittelkonzerns. Die späteren Generationen übernahmen seine Vision, eine auf Langfristigkeit ausgerichtete Unternehmensstrategie zu verfolgen.

Engagement für Wissenschaft

Dr. August Oetker förderte den 1908 gegründeten Naturwissenschaftlichen Verein Bielefeld und Umgebung, in dem er selbst Mitglied war sowie das Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie mit großzügigen Spenden.

Als Anerkennung für seine Verdienste in Wissenschaft und Gesellschaft wurde Oetker mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. 1913 erhielt er unter anderem den Titel Kommerzienrat. 1917 erkrankte Dr. Oetker schwer und regelte seine Nachfolge. Sein einziger Sohn Rudolf war ein Jahr zuvor in der Schlacht um Verdun gefallen. So sollte sein Enkel Rudolf-August das Unternehmen eines Tages weiterführen.

Im Januar 1918 starb Dr. August Oetker im Alter von nur 56 Jahren in Bielefeld. Sein Unternehmen blieb, trotz der Folgen des ersten Weltkrieges, eines der bedeutendsten in Europa und wurde später zum erfolgreichen Weltkonzern.