Von Martin Luther in die Lebensmittelwelt

95 Thesen zur Reformation unserer Ernährung von Slow Food und Misereor

95 Thesen für Kopf und Bauch
95 Thesen für Kopf und Bauch (Bild: Slow Food Deutschland)

Vor 500 Jahren wies Martin Luther mit seinen 95 Thesen auf die Missstände in der vorreformierten Kirche hin und leitete die Reformation ein. Das Jubiläum nahmen der Slow Food Deutschland e.V. und Misereor zum Anlass, das globale Ernährungssystem mit ebenfalls 95 Thesen nachhaltig verändern zu wollen. 

Zwei Milliarden Menschen leiden weltweit an Mangelernährung. Gleichzeitig werden in den Industrieländern so viele Lebensmittel weggeworfen wie nie. Ein Drittel unserer Nahrung landet im Müll. Die globalen Fehlentwicklungen sind deutlich sichtbar. Immer mehr Verbraucher interessiert, wo eigentlich unsere Lebensmittel herkommen, wie sie hergestellt werden und welche Auswirkung der Prozess auf Pflanzen, Tiere und unsere Umwelt hat. Das Bewusstsein für die Probleme unseres Planeten schärft sich bei den Menschen zusehends. 

In Luthers Reformations-Jubiläumsjahr starten bundesweit Veranstaltungen unter dem Namen „95 Thesen für Kopf und Bauch“. Experteninnen und Experten diskutieren mit Verbraucherinnen und Verbrauchern über zukunftsfähige Alternativen für unser Ernährungssystem.

Die 95 Thesen unterteilen sich in Wasser, Boden, Klima, Pflanzen, Tiere, Einkaufen, Essen und Genießen. Die letzten zehn Thesen befassen sich mit dem globalen Denken und unserer Erde. 

"Mit diesem ungeschönten Blick auf den Zustand unseres Planeten möchten wir gemeinsam mit Misereor den öffentlichen Dialog verstärken und vertiefen, denn nur gemeinsam kann der dringend nötige Wandel hin zu einem ressourcenschonenden Umgang mit unserem Planeten angestoßen werden," sagt Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland. 

Die Organisationen stellen vor allem die Verantwortung jedes Einzelnen für sich selbst, aber auch für nachfolgende Generationen in den Mittelpunkt. "Längst sind Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht mehr die typischen Wohlstandskrankheiten: immer häufiger leiden Arme darunter, vor allem Frauen. Weltweit nehmen sie rapide zu, weil die Menschen immer weniger Gemüse, Obst und Getreide essen. Weil sie nicht mehr selbst Landwirtschaft betreiben. Weil frische Lebensmittel zu teuer sind. Stattdessen gibt es überall verfügbare, billige Fertigprodukte. Diese Erkrankungen können nur dann nachhaltig zurückgehen, wenn sich unser aller Lebensstil verbessert und Politik, die Lebensmittelindustrie und Konsumenten weltweit die richtigen Voraussetzungen dafür schaffen", bekräftigt Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel das Engagement für eine bessere Zukunft aller.