Personalentscheidung

Booking.com kürzt 350 Stellen in Berlin

Symboldbild (Bild: pixabay.com)

Fast die Hälfte der Arbeitsplätze in Berlin sollen abgebaut werden. Dieser Entscheidung gingen Konflikte über die Arbeitsbedingungen voraus, wie die gemeinsame Recherche der niederländischen Wirtschaftszeitung Het Financieele Dagblad und Gründerszene ergaben.

Die Gewerkschaft Verdi bestätigte die Zahlen und kritisiert die Kürzung der Stellen scharf. Booking hält trotz einer Umsatzsteigerung von 30 Prozent an seiner Entscheidung fest. In Berlin sind laut Verdi 816 Mitarbeiter in zwei Büros bei Booking beschäftigt. Eins davon soll nun geschlossen werden. Befristete Verträge der Mitarbeiter werden nicht verlängert.

Erst Anfang des Monats war die Booking-Chefin Gillian Tans auf einem Kongress in Berlin und kritisierte die Regierungslast in Europa für Unternehmen wie Booking.com. Den möglichen Personalabbau kommentierte sie jedoch nicht ausführlich. „Es ist wahr, dass wir eines unserer Büros schließen“, gab sie zu. Geplant sei eine Bündelung des Kundenservice in einem Büro.

Konflikte mit den Mitarbeitern

Laut Recherchen von Het Financieele Dagblad und Gründerszene seien der Entscheidung Konflikte zwischen dem Betriebsrat und dem Management des Unternehmens vorausgegangen. Die Parteien stritten zum Beispiel über die Arbeitszeiten, teilweise auch vor Gericht. Der Betriebsrat in Berlin und das Unternehmen äußerten sich dazu zwar nicht, doch das Berliner Arbeitsgericht bestätigte „eine Reihe arbeitsgerichtlicher Urteils- und beschlussverfahren unter Beteiligung der Bcom Customer Service Center“. Bcom ist ein Tochterunternehmen von Booking.com.

Die niederländisch-amerikanische Buchungsplattform soll insgesamt 17.000 Mitarbeiter beschäftigen. Das Unternehmen hält sich jedoch bedeckt, wenn es um strategische Entscheidungen oder die Standortwahl geht. So ist nicht genau bekannt, wie viele Mitarbeiter das Unternehmen wo beschäftigt. Außerdem sind Firmen in Deutschland verpflichtet, relevante Informationen zum Thema Personalabbau an den Betriebsrat zu melden. Laut Verdi habe sich Booking.com jedoch geweigert, die aktuell getroffenen Entscheidungen weiterzugeben.

Das Unternehmen ist in Berlin schnell gewachsen, sodass mit den Jahren der Ruf nach einem Betriebsrat immer lauter wurde. Die Arbeitnehmer konnten sich schließlich durchsetzen. Seit drei Jahren gibt es einen Betriebsrat. Damit ist Booking.com eher die Ausnahme, denn nur sehr wenige Start-ups und Digitalunternehmen verfügen über einen Betriebsrat.