Weniger Plastikmüll

Start-up produziert Trinkhalme aus Glas

Schön bunt, aber schlecht für die Umwelt. Die Firma halm hat eine tolle Alternative entwickelt (Foto: Surogard/stock.adobe.com)

Die Ideen kam den beiden Gründern, Hannah Cheney und Sebastian Müller bei einer Reise nach Thailand. Sie waren zu einer Hochzeit von Freunden eingeladen worden und konnten auf einer kleinen Insel das Paradies auf Erden genießen. Doch neben blauem, Himmel, Palmen und Traumstränden, entdeckten sie dort auch mit Müll verdreckte Sandstrände. Sie haben sogleich ihre Freunde zusammengetrommelt, gemeinsam den Strand gesäubert und ihnen ist eines dabei aufgefallen: jedes zweite Müllstück war ein Trinkhalm aus Plastik. 

Plastikmüll breitet sich in den Meeren aus

Auch die Deutsche Umweltorganisation WWF schlägt Alarm: „Heute schwimmen in jedem Quadratkilometer der Meere Hunderttausend Teile Plastikmüll. Von den jährlich 78 Tonnen der weltweit gebrauchten Plastikverpackungen gelangen 32 Prozent unkontrolliert in die Umwelt, wie zum Beispiel in die Meere.“  Laut dem Statistik-Portal Statista werden in Deutschland jährlich rund 37 Kilogramm Plastikmüll von jedem Einwohner produziert. Laut Umweltbundesamt benutzt jeder deutsche jedes Jahr rund 65 Plastiktüten. Rechnet man das für die Hauptstadt Berlin zusammen, so kommt man auf 225 Millionen Plastiktüten. Dazu kommen circa 170 Millionen Einweg-Becher und 71 Strohhalme pro Kopf und pro Jahr.

Weniger Plastikmüll dank Glas

Zeit etwas dagegen zu unternehmen, dachten sich die beiden „Halm“-Gründer und kündigten ihre Jobs, um sich näher mit Entwicklung eines umweltfreundlichen Trinkhalms zu beschäftigen. Ein halbes Jahr lang hat es gedauert, dann stand der Entschluss fest. Es sollte ein Strohhalm sein, der sowohl wiederverwendbar, hygienisch einwandfrei, geschmacksneutral und recycelbar ist. Papier weicht zu schnell durch, Bambus fiel durch, weil es aus Hygienegründen in der Gastronomie nur einmal verwendet darf, Metall wird von den Gästen nicht gut angenommen, weil man nicht sehen kann, ob der Trinkhalm auch innen wirklich sauber ist. Die Lösung war Glas. 2016 gründeten die beiden ihr Start-up. Im Juni 2017 gab es dann den Startschuss für die Glashalme. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Heute benutzen bereits 300 Gastrobetriebe weltweit die durchsichtigen Trinkhilfen, darunter auch viele namenhafte Kunden, wie z. B. das Mercure Hotel Berlin City.

Firmensitz in Berlin Friedrichshain

Seinen Firmensitz mit sechs Angestellten hat das Unternehmen seit März 2018 in Berlin Friedrichshain. Verpackt werden die Glashalme im Normalfall vom Verein Lebenshilfe. Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass auch alle im Berliner Büro mit anpacken müssen. Die Trinkröhrchen aus Glas werden zu einhundert Prozent in Deutschland produziert und können ganz einfach in der Spülmaschine gereinigt werden. Ein Vierer-Set kostet 17,90 Euro. Sie sind aus robustem Glas gefertigt und dadurch relativ schwer. Das hat einen praktischen Nebeneffekt: die Halme steigen nicht, wie sonst bei Plastikstrohhalmen üblich, nach oben und fallen aus dem Glas. Zukünftig wollen die beiden Gründer noch mehr große Gastronomiebetriebe mit ihrem Produkt erreichen, denn hier fällt besonders viel Plastikmüll an. Sie beliefern bereits ein großes Hotel in Hamburg mit sieben Bars. Dort werden nun jährlich um die 6.000 Plastikstrohhalme eingespart. Mehr Infos zum Unternehmen gibt es hier: http://www.halm.co/de